Das geistliche Wort

AnGedacht

Kennen Sie das Gänsegleichnis? Heute entdeckte ich es wieder. Vor mehr als 30 Jahren las ich es in meinem Theologiestudium zum ersten Mal. Damals dachte ich: Hoffentlich wirst du es später als Pfarrer anders erleben…….Aber lesen Sie selbst. Der Verfasser, Sören Kierkegaard (1813-

1855), ein dänischer Philosoph und Theologe, war laut Wikipedia „ein engagierter Verfechter der Idee des Christentums gegen die Realität der Christenheit.“

 

 Er schreibt:  „Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunderbaren Hof. Sie veranstalten alle 7 Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänserich mit er-greifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben. Er vergaß nicht dabei das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren unglaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen. Die Gänse sind tief beeindruckt. Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat.  Sie watscheln auseinander,voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Fliegen tun sie nicht.“ Keine Ahnung, ob dieses Gleichnis für uns Christen lustig, traurig oder überführend ist. Vielleicht von allem ein wenig. Schnattern können wir ganz gut, veranstalten sonntäglich eine Parade, in der wir ergreifende Worte hören und uns die Helden der Vergangenheit vor Augen halten. Bei allem vergessen wir nicht, Gott zu loben, der die Fähigkeit schenkt, Großes zu tun.  Gott beeindruckt, die Vorbilder beeindrucken – nur wir haben uns zu viel Ballast angefuttert und sind unfähig, „die Schwingen empor[zuheben] wie die Adler“ (Jesaja 40:31)  Darum watscheln wir auseinander mit gut gemeinten Worten.  Aber Fliegen – das können wir nicht! Glücklicherweise nur ein Gleichnis, nur eine Geschichte. Nicht eins zu eins übertragbar. Glücklicherweise passt das Gleichnis lange nicht auf jeden. Es gibt nach wie vor Wildgänse, die hoch oben fliegen – frei, nicht erdgebunden. Glücklicherweise gibt es immer noch viele – ja, weltweit tatsächlich eine wachsende Zahl von solchen, die sich zur wöchentlichen „Parade“ treffen, und die nicht einen Gott loben, der ‚Helden der Vergangenheit’ ausgerüstet hat, sondern die selbst den Fußstapfen der Helden folgen und einen Gott loben, den sie persönlich kennen. Die wöchentliche Parade gibt ihnen von Woche zu Woche neue Kraft, ihre Schwingen zu heben und zu fliegen, wie Gott es für sie geplant hatte.  Gehört Dein Leben Jesus? Dann hat er einen Plan für Dich! Keinen erdgebundenen Plan. Sein Plan für Dich ist ein himmlischer Plan. Er möchte Dich mit himmlischem Segen beschenken, in himmlischen Werten leben lassen, Deinem Blick eine himmlische Weite und Großzügigkeit  verleihen – und vor allem möchte Er, der Herr des Himmels, mit Dir sein – jeden Tag! Er möchte mit Dir sein in den irdischen Dingen, im Alltag, der zu unser aller Leben gehört. Er möchte mit Dir sein in den Tagen der Krankheit. Er möchte mit Dir sein am schwierigen Arbeitsplatz, im Schul- oder Unialltag. Er möchte mit Dir sein im Stress des Familienalltags. Er möchte in Deinen„Spitzenzeiten“ mit Dir sein ebenso wie in den Tälern, wo die Schatten lang sind.  Auch die freien Wildgänse haben ihre Bodenzeiten. Aber sie erheben sich immer wieder in die Luft. Sie werden nie erdgebunden. Solange Gott uns Atem gibt, ist es nie zu spät, neu zu Ihm zu blicken, Kraft zu empfangen und das Fliegen wieder neu zu trainieren.  Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Knaben werden müde und matt und junge Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren  mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen  und nicht matt werden, dass sie wandeln  und nicht müde werden.(Jesaja 40:29-31)

 

Warum ich das Gänsegleichnis mag?

Weil es mir und der christlichen Gemeinde mit selbstkritischem Humor den Spiegel vor Augen hält; weil es mir die Augen dafür öffnet, dass lebendiger Glaube „beflügelt“ und ich mit Jesus alles, aber auch wirklich alles überwinden kann.

 

Herzlich Euer Pfarrer 

Joachim Grubert

 

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