2. Januar 2021

 

Wochenspruch:

Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In ihm sind Gottes vergebende Liebe und Treue zu uns gekommen.

Johannes 1,14b

 

 

Liebe Christen und alle, die Ihr diese Andacht in Händen habt!

In letzter Zeit höre ich selten: „Ach, wie die Zeit vergeht“, sondern eher: „Endlich ist dieses Jahr 2020 vorbei.“ Ich kann´s verstehen. Wir alle hoffen, dass die Pandemie bald besiegt ist und das neue Jahr besser wird. Aber hoffentlich erleidet 2021 nicht das Schicksal aller guten Vorsätze. Ich denke an Worte von Pastor Bonhoeffer, den Dichter von Liedern wie „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Er schrieb einmal über den Jahresbeginn: „Von nun an? Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert – dieses Sprichwort...entspringt nicht der frechen Weltklugheit eines Unverbesserlichen, sondern hier enthüllt sich tiefe christliche Einsicht. Wer an der Jahreswende nichts Besseres zu tun weiß, als sich ein Register begangener Schlechtigkeiten anzulegen und den Beschluss zu fassen, von nun an – wie viele „von nun an“ hat es schon gegeben! – mit besseren Vorsätzen anzufangen, der steckt noch mitten im Heidentum. Er meint, der gute Vorsatz mache schon den neuen Anfang, d.h. er meint, er könne von sich aus einen neuen Anfang machen, wann er es gerade wolle. Und das ist eine böse Täuschung; einen neuen Anfang macht allein Gott mit dem Menschen, wenn es ihm gefällt, aber nicht der Mensch mit Gott. Einen neuen Anfang kann der Mensch darum überhaupt nicht machen, sondern er kann nur darum beten… Aber beten kann der Mensch nur, wenn er begreift, dass er etwas nicht kann, dass er an seiner Grenze ist, dass ein anderer anfangen muss.“ (Hervorhebungen von mir!)

 

Nicht ganz einfach ausgedrückt. Ich verstehe es so: Wir sollen uns nicht gute Vorsätze machen, was wir alles schaffen und nachholen wollen nach dem scheinbar verlorenen letzten Jahr. Sondern: Gebt Gott Raum in Eurem Leben! Lasst ihn einen Neuanfang machen! Wir haben keine Zeiträume? Doch: 365 Tage, 8760 Stunden. Wir haben keinen Raumin unseren Gedanken und Herzen? Doch: Prüft, was sich angestaut hat und zum unnützen Ballast geworden ist: Enttäuschte Hoffnungen, „alte Rechnungen“, verdrängte Schuld. Werft es hinaus. Lasst „frische Luft“ herein: D.h. Vertraut, dass Gottes Geist in uns kräftig wirkt und uns Freude schenkt, die Widerstände überwindet. In dieser Gewissheit, dass Gott A und O, Anfang und Ende ist, feiern wir Gottesdienst

 

im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Dazu passt wunderbar der vorgegebene Psalm 100 (Lutherbibel 2017): Ein Aufruf zum Lob Gottes

1 Ein Psalm zum Dankopfer. Jauchzet dem HERRN, alle Welt! 2 Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! 3 Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht (!) wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. 4 Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, / zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen! 5 Denn der HERR ist freundlich, / und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

 

Wir beten: Lieber himmlischer Vater. Danke für das neue Jahr. Danke, dass Du mit Deiner Gemeinde immer wieder neu anfängst. Du bist wahrhaftig und treu, heilig und gerecht, barmherzig und gnädig. Vergib uns, wenn wir das vergangene Jahr mehr als Verlust empfinden und weniger als Ruf zur Umkehr, damit wir unser Leben von Dir auf neuen Grund stellen lassen. 

Kyrie eleison: Herr, erbarme Dich.

 

Danke, lieber Herr Jesus. Als Mensch bist Du uns nah und als Gottessohn rettest Du uns von Sünde und ewigem Tod. Mache uns bereit, Deinen Willen zu erkennen. Vergib uns unsere rückwärtsgewandten Blicke auf das, was wir verloren haben. Lass uns erfahren, dass wir mit Dir wahres Leben und den Himmel gewinnen. Christe eleison: Christus, erbarme Dich.

 

Danke, Heiliger Geist, dass Du uns durch diese Zeiten wunderbar geführt hast. Leite uns, damit wir das Gute und Notwendige tun und Dich, den dreieinigen Gott stets vor Augen und in unserem Herzen haben. Kyrie eleison: Herr, erbarme Dich.

 

Als Evangelium lesen wir Lukas 2,41-52: Der zwölfjährige Jesus im Tempel. 

(1)Jesus geht verloren. Mit Maria und Josef geht der 12-Jährige auf Wallfahrt. Tausende feiern das Passahfest in Jerusalem und Jesus seine „Konfirmation“, die Bar-Mizwa. Auf dem Heimweg denken die Eltern, dass er in der Gruppe seiner Freunde mitgeht. Doch welch ein Schreck. Jesus ist weg. Wie schnell verlieren wir Jesus aus unseren Gedanken, Gebeten und unserem Tun?! Wir feiern Weihnachten – gut und schön! Wir beschenken uns und möchten niemanden vergessen – liebevoll und richtig! Aber Jesus geht (oft) verloren. Wir merken es nicht einmal wie die Eltern. Weit weg sind wir von der großen Freude, der rettenden Wahrheit, die Jesus heißt. Und wenn uns aufgeht, dass der Entscheidende fehlt, Jesus: Machen wir dann einfach weiter und feiern die christlichen Feste nur aus Gewohnheit? Maria und Josef erleben einen heilsamen Schock. Er macht ihnen Beine. Bist Du bereit, auf Deiner „Lebensstrecke“ eine Kehrtwende um 180 Grad zu wagen und im Eiltempo Deinem Herzen zu folgen?

(2)Jesus wird gesucht: Einmal habe ich meinen Sohn in einer Menschenmenge verloren. Kurzentschlossen stellte ich mich auf eine Parkbank und schaute mich nach allen Seiten um. Ich sah sein verzweifeltes Umherirren und rief ihm laut zu. Bald darauf lagen wir uns in den Armen. Der Schreck war bald vergessen. Maria und Josef aber suchen drei lange Tage. Verzweiflung, schlaflose Nächte irgendwo rauben alle Kräfte. Ich habe rastlose Menschen vor Augen, die ein Leben lang nach Anerkennung, Sinn und Liebe suchen und all das nicht finden. Von einer Religion oder Gemeinde zu anderen, von Therapeut zu Therapeut, von Partner zu Partner. Wie Maria und Josef suchen sie Rat, Trost und Rettung bei Menschen und besonderen Orten, vergessen aber, das Naheliegendste aufzusuchen…

(3)Jesus wird gefunden: So einfach. Wo? Im Tempel. Dort, wo Gottes Wort verkündet, der Schöpfer angebetet wird, die Gemeinde sich versammelt. Gott ist uns durch Jesus hautnah gekommen, hat uns in unserem Fleisch und Blut erlöst von Sünde und Tod. Der auferstandene Christus sitzt wieder „zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“, wie wir es im Glaubensbekenntnis im sonntäglichen Gottesdienst bekennen. Aber Jesus ist nicht weg. Wir finden ihn in seinem Wort, der Bibel, die uneingeschränkt das Wort Gottes ist. Der himmlische Vater ist nur ein Gebet weit entfernt, wenn wir ihn „im Namen Jesus“ ansprechen. Und wo zwei oder drei miteinander beten, in Jesu Namen zusammenkommen, da spricht uns der Heilige Geist das Wort Gottes direkt ins Herz, erhellt unseren Verstand, stärkt unseren Willen, den Willen Gottes zu tun. Sucht an der richtigen Stelle. Wer Jesus sucht, wird Gott finden. Amen!

Von Herzen wünsche ich Euch allen einen gesegneten Jahresanfang Euer Pfarrer Joachim Grubert

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld,  wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlich­keit in Ewigkeit. Amen.

Herr, segne uns und behüte uns. Lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. 

Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden. Amen. 

Weitere Bibeltexte:  Jes 61,1-11/1. Joh 5,11ff /EG 56 und 73 / Gnade und Wahrheit (BB11 Feiert Jesus)

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