Die sieben Worte unseres Erlösers Jesus Christus am Kreuz

 

Eine Auslegung von Pfarrer Joachim Grubert mit herzlichen Grüßen 

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute erfährt der Karfreitag nicht mehr so große Wertschätzung wie früher. Die Älteren erinnern sich: Früher ging das ganze Dorf zum Gottesdienst und Abendmahl, oft in Ständen, getrennt nach Männern und Frauen. 

 

Karfreitag ist der schmerzvollste Tag, den wir Christen kennen. Denn Gottes Sohn, der das Leben in Person ist, starb an unserer Stelle den bitteren Tod als Strafe für unsere Sünde. Zugleich ist er als höchster evangelischer Feiertag ein Freudentag. Denn im gekreuzigten Christus besiegte der dreieinige Gott Sünde und Tod. Unsere Sünde ist vergeben. Glauben wir IHM, sind wir erlöst und befreit zum ewigen Leben.

Über dem Karfreitag liegt für Christen eine feierliche, besinnliche Stille. In diesem Jahr erleben wir durch die Corona-Pandemie mehr Stille als uns lieb ist. Gerne möchte ich Euch gedanklich mit ans Kreuz Jesu nehmen. Denkt über die sieben Worte nach, die unser Herr und Heiland Jesus Christus am Kreuz gesprochen hat zu unserem Trost und Heil.

  1. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,24)

Was für eine Größe: Unser Herr vergibt seinen Mördern und Peinigern, obwohl diese davon nichts wissen wollen. Jesus geht mit gutem Beispiel voran, was er von uns Christen erwartet. Wir können von Gott nur dann Vergebung erlangen, wenn wir zuerst allen Menschen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. Bitte vergib Allen, die im Laufe Deines langen Lebens an Dir schuldig wurden. Schleppe weder Kränkung, Hader noch Neid mit Dir. Vergib und bitte Jesus um Vergebung Deiner eigenen Verfehlungen. So werden Deine Tage, besonders die letzten, durch das milde Licht der Liebe Gottes voller Frieden und Versöhnung sein.

  1. Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein 

Jesus spricht dieses Wort dem Schächer zur rechten Seite seines Kreuzes zu. Der Verbrecher erkennt: Er wird zurecht bestraft, aber Jesus ist unschuldig, ja ohne Sünde. Oh, dass wir doch auch erkennen: Vor Gott stehen wir mit leeren Händen und haben keinen Anspruch, gerettet zu werden. Wie der Schächer dürfen auch wir bitten: Herr, denke an uns; und im allerletzten Moment schlupft der große Sünder ins Paradies.

  1. Frau, siehe, dein Sohn!“ und „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26.27)

Was für eine Fürsorge. Trotz größter Schmerzen versorgt der Heiland seine Mutter. Sie würde sonst mittellos sein. Und seinem Lieblingsjünger stellt er seine Mutter als geistliche Stütze zur Seite. Hast Du alles geregelt? Ich meine nicht Dein materielles Vermögen, sondern Deine Einstellung und geistigen Werte. Hast Du Deinen Glauben weitergegeben? Bete für Deine Nachkommen, dass sie sich nicht in den Sorgen dieser Welt verlieren, sondern nach Gott fragen und zum lebendigen Glauben an Christus finden.

  1. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34)

Corona macht einsam, besonders im Alter. Weil Jesus so einzigartig eng mit dem himmlischen Vater verbunden ist, ist seine Einsamkeit am Kreuz einzigartig furchtbar. Jesus kommt in Deine Einsamkeit, tröstet Dich und führt Dich in Gottes heilsame Nähe, die Dich selig macht.

  1. „Mich dürstet“ (Joh 19,28)

Sie müssen viel trinken, sagt der Arzt. Leicht gesagt, wenn man im Alter nicht mehr viel Durst hat. Aber hast Du nicht Durst nach Trost und Ruhe, nach Liebe und Geborgenheit in den starken Händen unseres Herrn? 

  1. „Es ist vollbracht.“ (Jo 19,30)

Drei Worte, im Griechischen nur ein Wort. Alles ist gesagt. Als Jesus sein Haupt neigt und stirbt, ist die Erlösung da. Unsere Sünden sind gesühnt, die große Rechnung, die Gott mit uns hat, ist bezahlt. Wir dürfen leben!

  1. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46)

Über Sterben spricht man nicht, sagt man. Doch manche reden offen davon. Gut so! Das nimmt die Scheu. Vertraue Jesus und lege Dein Leben bewusst in Gottes Hände, dann verlierst Du jede Angst. Gottes Friede zieht in Dein Herz. Du wirst sanft hinübergleiten und wunderbar staunen, wenn Du aufwachst und mit Jesus an Deiner Hand dem Vater des Lichtes begegnen wirst von Angesicht zu Angesicht.

Ich schließe mit einem Gebet, das Pastor Dietrich Bonhoeffer im Gefängnis schrieb: Herr Jesus Christus! Du warst arm und elend, gefangen und verlassen wie ich. Du kennst die Not der Menschen. Du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht. Du vergisst mich nicht und suchst mich. Amen!

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