Misericordias Domini     18. April 2021

Wochenspruch: „Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine
Stimme, und ich kenne sie; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Johannes 10,11a.27-28a

 


Liebe Christen und alle, die Ihr diese Andacht lest!
Wir treten auf der Stelle. Dieses Gefühl greift um sich. Schleppende Impfungen. Stimmung im
Keller. Selbst der Winter scheint nur widerwillig dem Frühling zu weichen. Es zieht uns hinaus.
Aber mit wem und wohin, wenn fast alles geschlossen ist? Corona zehrt an den Nerven, macht
einsam.
Auch an uns Christen geht das nicht spurlos vorüber. Seit über einem Jahr gibt es kaum
Gemeindeleben. Wenigstens kann ich die gute Nachricht von Gottes rettender Liebe auf diesem
Wege weitersagen und Ihr könnt die Andachten auf unserer Homepage lesen oder hören. Dafür bin
ich dankbar. Aber täuschen wir uns nicht. Menschen leben mit Körper und Seele, nicht virtuell. Die
persönlichen Begegnungen fehlen uns am meisten, das gemeinsame Anbeten und Singen.
Menschen sterben einsam ohne Zuspruch des Wortes Gottes, ohne Abendmahl des Herrn, ohne
Gebet. Unter vielen Dächern erlebe ich dicke Luft. Familien leiden. Ehen gehen auseinander. Und
wir beruhigen uns mit Phrasen wie „Soziale Distanz ist die neue Form der Nächstenliebe“?
Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte.“ Ja, aber wo ist die Herde? Brauchen wir außer einer
„Herdenimmunität“, die zu Recht angestrebt wird, nicht auch eine Art Herdengefühl, damit wir
uns wieder als Gemeinschaft der Gläubigen wahrnehmen, einander stärken und unterstützen,
nämlich als Christen in der Liebe Gottes zu leben? Solange sich die Herde nur virtuell oder im
Hauskreis oder wie jetzt in den Konfirmationsgottesdiensten nur mit kleinen Gästelisten begegnen
kann, ist es umso wichtiger, dass jeder von uns, Du, ich, wir, offen bleiben für Gottes Wort, die
Stimme des guten Hirten, damit wir heil durchkommen: „Meine Schafe hören meine Stimme, und
ich kenne sie; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ In dieser Verbundenheit des Glaubens an Jesus
Christus, der selbst die Grenze des Todes überwindet, feiern wir Gottesdienst
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Mit dem Wochenpsalm 23 beten wir: Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird
nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Wir beten: Allmächtiger Gott, die Corona-Zeit ist Dein Gericht auch über die Gemeinde. Du willst,
dass wir zu Dir umkehren. Hilf uns, dass unser Glaube aus eingefahrenen Wegen aufbricht, neu,
fröhlich und lebendig wird. Kyrie eleison. Herr, erbarme Dich. Lieber Herr Jesus, Du bist die
Barmherzigkeit Gottes in Person. Darum hast Du die Folgen unser Lauheit und unserer falschen

Begierden am Kreuz ausgetragen und gesühnt. Deine Güte bewege unsere müden Herzen, damit sie
für Dich brennen und in Liebe zu unseren Nächsten. Christe eleison. Christus, erbarme Dich.
Heiliger Geist, nimm unseren trägen Geist in Beschlag, damit wir Deine Stimme gerne hören und
Dein Wort mit Freuden tun. Kyrie eleison. Herr, erbarme Dich.
Wir hören das Evangelium dieses zweiten Sonntages nach Ostern aus Johannes 10,11-16 (NGÜ).
Christus spricht: 11 “Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ´ist bereit,` sein Leben für die Schafe
herzugeben. 12 Einer, der gar kein Hirte ist, sondern die Schafe nur gegen Bezahlung hütet, läuft
davon, wenn er den Wolf kommen sieht, und lässt die Schafe im Stich, und der Wolf fällt über die
Schafe her und jagt die Herde auseinander. 13 Einem solchen Mann, dem die Schafe nicht selbst
gehören, geht es eben nur um seinen Lohn; die Schafe sind ihm gleichgültig. 14 Ich bin der gute Hirte.
Ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich, 15 genauso, wie der Vater mich kennt und
ich den Vater kenne. Und ich gebe mein Leben für die Schafe her. 16 Ich habe auch noch Schafe, die
nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich herführen; sie werden auf meine Stimme hören, und
alle werden eine Herde unter einem Hirten sein.“
Diese Worte Christi sind mir
● Unendlicher Trost: In der Not erkennt man wahren Charakter, sagt das Sprichwort. Als Christus
seine Gottheit ablegte, Mensch wurde, war ihm klar, dass er nicht nur auf Begeisterung stoßen
würde, sondern auch auf krasse Ablehnung. Bewusst ging er den Weg ans Kreuz, setzte sich der
Macht des Bösen aus, um den Widersacher zu besiegen und uns heimzuholen in die „Herde“, die
Gemeinde der erlösten Kinder Gottes. Ein bezahlter „Mietling“ (Lutherübersetzung in Vers 12)
kneift, wenn´s brenzlig wird. Jesu wahrer Charakter ist Barmherzigkeit in Treue zu Dir. Darum
kannst auch Du barmherzig und treu sein, wenn Du auf seine Stimme hörst und Dich von ihr leiten
lässt.
● Bitternötige Korrektur: Schaue ich auf den guten Hirten, geht mir schmerzlich auf, wie
ungenügend mein Hirtendienst ist. Ich höre in Jesu Worten die harte Kritik, die die Propheten vor
ihm an den Hirten Israels übten. Im Predigttext aus Ezechiel 34, heißt es: 2…So spricht Gott der
HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! ….4 Das Schwache stärkt ihr nicht, und
das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück,
und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. 5 Und meine Schafe
sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und
zerstreut. 6 Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze
Land zerstreut, und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder sie sucht. Mir persönlich geht das
Prophetenwort unter die Haut. Wie eng mein Radius als Seelsorger für 2.200 „Schäfchen“ ist,
empfinde ich als beschämend. Aber ich höre in der bitternötigen Korrektur zugleich die Liebe, in
der unser Herr alle, die ihm dienen möchten, zur Umkehr ruft. Es heißt weiter: 11 Denn so spricht
Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein
Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen
und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war.
13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land
bringen …16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das
Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie
weiden, wie es recht ist. Diese Prophetenworte und Christusworte sind mir drittens:
● Heilsamer Neuanfang: Gott geht mit Krisen anders um. Neigen wir eher dazu, aus Enttäuschung
in den Sack zu hauen, erweitert Gott sein Aufgabengebiet sogar. Er selbst sucht das Verlorene und
geht über seine Gemeinde hinaus zu Menschen aus allen Völkern. Alle sollen erfahren, dass seine
Liebe grenzenlos ist. Trost. Korrektur, Neuanfang, weil Jesus als guter Hirte sucht und vorangeht.
Euch Allen einen gesegnete Osterzeit. Euer Pfr. Joachim Grubert
Vater unser im Himmel…..
Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen; segne unser täglich Brot, segne unser Tun
und Lassen. Segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben. Amen!

 

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