Quasimodogeniti         11. April 2021

Wochenspruch: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach
seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch

die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ 1. Petr. 1,3

 

 

Liebe Christen und alle, die Ihr diese Andacht lest! Petrus versprüht Auferstehungsfreude. Sein
Leben lang erzählt der erste Zeuge des Auferstandenen von seiner herrlichen Erfahrung. Seine
Begeisterung findet kein Ende. Das erkennen wir schon daran, dass sich Vers drei, unser
Wochenspruch, als ein einziger langer Satz noch in den beiden folgenden Versen fortsetzt.
Überschwänglich lobt Petrus den Herrn, dass Er mit der Auferstehung Christi neues,
unvergängliches Leben im Himmel bereit hält und uns durch diese Hoffnung Kraft schenkt. Ich
stelle mir vor, wie der Schreiber Silvanus, dem Petrus diesen Brief diktiert, ins Schwitzen gerät bei
so viel Begeisterung (1. Petr 5,12).
In diesen Pandemiezeiten habe ich mich auf Ostern besonders gefreut. Jesus ist auferstanden! Für
mich die wichtigste und schönste Nachricht. In Volpertshausen begingen wir die Osternacht als
halbstündigen Gottesdienst draußen mit Osterfeuer, Abendmahl und Osterkerzen. Still und mit
großen Abständen kamen nur etwa zwanzig Gläubige. Kurz vor Beginn sah ich eine Mutter mit drei
Kindern. Respekt, dachte ich. So früh! Müde, aber brav stellten sie sich zu ihrer Mutter. Als ich sie
leise mit „Frohe Ostern“ begrüßte, strahlte mich der Älteste an und sagte: „Heute Nacht hat unsere
Sau geferkelt.“ Ich war überrascht und amüsiert. Wie herrlich ist das denn! Diese Kinder erleben
unmittelbar an ihren Tieren, was Geburt und Leben bedeuten. Stunden später zeigten sie mir die
zehn Ferkel, auch das eine tote. Diese kindliche Freude über das neue Leben, das zugleich die
traurige Tatsache des Todes nicht verdrängt, lässt mich an den Namen des ersten Sonntages nach
Ostern denken: Quasimodogeniti: „Wie die neugeborenen Kindlein nach der Milch schreien, „so
sollt ihr nach der unverfälschten Lehre unseres Glaubens verlangen. Dann werdet ihr im Glauben
wachsen und das Ziel, eure endgültige Rettung, erreichen.“ (1. Petr. 2,2.3) In kindlicher Freude
dürfen auch wir Erwachsene wiedergeboren werden zu einer lebendigen Hoffnung durch die
Auferstehung Jesu Christi von den Toten. In dieser österlichen Freude lasst uns Gottesdienst feiern
Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Mit Worten aus dem Wochenpsalm 116 beten wir: Du hast mir das Leben neu geschenkt!1 Ich
liebe den HERRN, denn er hat mich gehört, als ich zu ihm um Hilfe schrie. 2 Ja, er hat sich zu mir
herabgeneigt; mein Leben lang will ich zu ihm rufen! 3 Ich war schon gefangen in den Fesseln des
Todes, Sterbensangst hatte mich gepackt, und ich war völlig verzweifelt. 4 Da schrie ich laut zum
HERRN, ich flehte ihn an: »O HERR, rette mein Leben!« 5 Wie gnädig und gerecht ist der HERR!
Ja, unser Gott ist voll Erbarmen! 6 Er beschützt alle, die sich selbst nicht helfen können. Ich war in
großer Gefahr, doch der HERR hat mir geholfen! 7 Nun kann ich wieder ruhig werden und sagen:
»Der HERR hat mir Gutes erwiesen!« 8 Ja, er hat mich vor dem sicheren Tod gerettet. Meine
Tränen hat er getrocknet und mich vor dem Untergang bewahrt. 9 Ich darf am Leben bleiben, darf
weiterleben in seiner Nähe. 10 Ich vertraute auf Gott, darum sagte ich ihm: »Ich weiß nicht mehr
aus noch ein!« 11 In meiner Bestürzung rief ich: »Auf keinen Menschen kann man sich verlassen!«
12 Wie soll ich dem HERRN nun danken für all das Gute, das er mir getan hat? …15 Der HERR

bewahrt alle, die ihm die Treue halten, denn in seinen Augen ist ihr Leben wertvoll. 16 Gott, du bist
mein HERR, und ich diene dir, wie schon meine Mutter es getan hat. Du hast mich den Klauen des
Todes entrissen. 17 Deshalb will ich dir ein Dankopfer bringen und deinen Namen, HERR, preisen.
18-19 Vor den Augen deines ganzen Volkes – in den Vorhöfen des Tempels mitten in Jerusalem –
will ich dir, HERR, meine Gelübde erfüllen. Halleluja – lobt den HERRN!
Barmherziger Gott. Du erfüllst uns mit österlicher Freude. Hilf, dass sie in uns lebendig bleibt und
wächst in Erkenntnis Deiner Wahrheit, in Liebe zu Dir und unseren Nächsten und in der Hoffnung,
dass das neue Leben Finsternis und Tod überwindet. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen
Sohn, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und gepriesen wird in alle Ewigkeit. Amen!
Das Fest der Auferstehung Jesu Christi ist der Lichtblick in dunkler Zeit. Von der Politik wurde
Ostern sogar als wirksamer Lockdown geplant, um die Pandemie in Griff zu bekommen. Besonders
wichtig ist Ostern als Fest der Versöhnung in einer Zeit der zunehmenden Polarisierung. Da gibt
es Corona-Leugner oder Lockdown-Fanatiker, Impfverfechter oder Impfverweigerer, Verfechter
einer Art Klimareligion oder Leugner eines menschengemachten Klimawandels. Dass die meisten
Menschen sich irgendwo in der vielbeschworenen „Mitte“ bewegen und die jeweiligen Extreme nur
von wenigen vertreten werden, scheint nicht mehr zu stimmen. Es hat damit zu tun, dass unsere
Welt immer schneller komplexer und komplizierter wird. Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen
ist verständlich. Aber helfen sie? Der „goldene Mittelweg“ ist oft nicht golden, sondern nur ein
„fauler Kompromiss“. Aber in einer Demokratie ist der Kompromiss der einzige Weg, um mit
möglichst Vielen zum Wohl von möglichst Allen Gesellschaft zu gestalten.
Gott sucht uns Menschen aber weder auf einem goldenen Mittelweg auf noch auf einem extremen
Weg links oder rechts. Gott geht einen dritten Weg. In Jesus Christus versöhnt der Dreieinige das
höchste Göttliche mit der niedrigsten Gestalt des Menschseins. Der Schöpfer versöhnt die
Schöpfung mit sich selbst (2. Kor. 5,19). Wir Menschen, die wir uns durch Stolz und Egoismus zu
Gottes Feinden gemacht haben, werden durch Jesus zu seinen Freunden. Juden und Nichtjuden
werden im Neuen Bund zu Gottes einem Volk. Die Vielfalt menschlichen Lebens und Kulturen
sollen nicht vermischt, vereinheitlicht oder verdrängt werden, sondern vom Bösen gereinigt und
erlöst in einer neuen Welt aufblühen, die mit der weltweiten Christenheit zeichenhaft beginnt.
Ist das naiv? Ich denke: Nein, sondern der einzige Weg, auf dem Friede sein wird: „Lasst euch
versöhnen mit Gott“ (2. Kor 5,20), sollen wir Christen an Christi statt die Menschen bittend einladen.
Ist das kindlich? Ich meine: Ja, weil wir nur mit einem kindlichen Geist des unbedingten
Vertrauens zu Jesus wiedergeboren werden zu neuen Menschen, die bodenständig sind wie die
genannten Kinder aus der Landwirtschaft, und zugleich begeistert mit nüchterner
Dienstbereitschaft, die unsere unmittelbare Lebenswelt verändern wird. „Kinder“, so spricht der
Auferstandene am See von Tiberias seine Jünger an. Die ganze Nacht hatten sie nichts gefangen
und saßen nun traurig und erschöpft in ihrem Boot. Jesus stand am Ufer. Doch die Jünger erkannten
ihn nicht: „Kinder, habt ihr ein paar Fische zu essen? – Nein, antworteten sie. Da forderte er sie
auf: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr einen guten Fang
machen. Sie folgten seinem Rat und fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht mehr einholen
konnten. Da sagte der Jünger, den Jesus lieb hatte zu Petrus: Das ist der Herr.“ (Joh 21,1-14). Auch
als Erwachsene dürfen wir Kinder sein, Gottes Freunde, versöhnt, resistent vor falschen
Extremen, ohne Angst, sich in Kompromissen zu verlieren. Natürlich werden wir Fehler machen,
wie Kinder fallen, uns wehtun, weinen und Rückschläge erleben. Aber die Begeisterung, ein Kind
Gottes zu sein, kann uns nichts und niemand nehmen. Euch Allen einen gesegnete Osterzeit. Euer
Pfr. Joachim Grubert
Vater unser im Himmel…..
Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen; segne unser täglich Brot, segne unser Tun
und Lassen. Segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben. Amen!

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