Rogate=Betet!

Wochenspruch: 
„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft 

noch seine Güte von mir wendet.“  Psalm 66,20

 

 

Liebe Christen und alle, die Ihr diese Andacht lest! 

Mit diesem letzten Vers macht der Psalmbeter deutlich: Mein Beten ist nicht vergeblich. Ich habe nicht in den Wind geredet. Gott hat wirklich zugehört. Noch mehr: Gott erhört mein Gebet. Er antwortet und handelt zu meinem Besten. Darum loben und preisen wir ihn und feiern Gottesdienst

im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Mit dem Wochenpsalm 95 beten wir: Kommt, lasst uns dem HERRN zujubeln! Wir wollen ihn preisen, den Fels, bei dem wir Rettung finden! 2 Lasst uns dankbar zu ihm kommen und ihn mit fröhlichen Liedern besingen! 3 Denn der HERR ist ein gewaltiger Gott, der große König über alle Götter! 4 In seiner Hand liegt alles – von den Tiefen der Erde bis hin zu den Gipfeln der höchsten Berge. 5 Ihm gehört das Meer, er hat es ja gemacht, und seine Hände haben das Festland geformt. 6 Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen; lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer! 7 Denn er ist unser Gott, und wir sind sein Volk. Er kümmert sich um uns wie ein Hirte, der seine Herde auf die Weide führt. 

 

Himmlischer Vater. Du erhörst Gebete. Seit Tausenden Jahren erfahren dies unzählige Menschen, wie es in Psalm 138,3 heißt: „Wenn ich Dich anrufe, so erhörst Du mich und gibst meiner Seele große Kraft.“ Danke dafür! Wir vertrauen Dir. Kyrie eleison. Herr, erbarme Dich!

Herr Jesus Christus. In den Evangelien lesen wir, dass Du Tag und Nacht aufgesucht wurdest. Zugleich hast Du täglich gebetet. Deine einzigartige Verbindung zum himmlischen Vater schenkt uns Trost und Heil. Du sitzt zur Rechten Gottes. Du bist als der auferstandene Herr unser Fürsprecher bei Gott. Bitte für uns Sünder. Christe eleison. Christus, erbarme Dich!

Heiliger Geist, Du bewirkst, dass wir glauben können und Gottes Liebe verstehen. Hilf uns beten, damit wir Gottes wunderbaren Plan für unser Leben erkennen und ihn mit Deiner Hilfe erfüllen als Deine Kinder und glaubwürdige Zeugen Deiner Wahrheit. Kyrie eleison. Herr, erbarme Dich!

 

Das Sonntagsevangelium aus Lukas 11,1-4 lautet: (Bitte lest es!)

Einmal hatte sich Jesus zurückgezogen, um zu beten. Danach sprach ihn einer seiner Jünger an: »Herr, sag uns doch, wie wir beten sollen. Auch Johannes hat dies seine Jünger gelehrt.« 2 Jesus antwortete ihnen: »So sollt ihr beten: Vater! Dein heiliger Name soll geehrt werden. ….. 

Beten war den Jüngern nicht fremd. Als gläubige Juden waren sie von Kindheit an mit den Psalmen und anderen Gebeten vertraut. Doch Jesu Art zu beten faszinierte sie. So innig, so vertraut, so schlicht, so klar.  – Bitte sagt jetzt nicht: Ich kann nicht beten, schon gar nicht frei wie manche in der Gemeinde oder wie die Pastoren. – Du musst auch nicht wie Andere beten, wohlformuliert, aus dem Stegreif und vor Glaubensgeschwistern. Aber Du kannst wie Jesusbeten mit der vertraulichen Anrede eines Kindes: Unser Vater. Jesus nimmt Dich in seinem Gebet sozusagen an die Hand und führt Dich zu dem, was Ihm wichtig ist, nämlich: Geheiligt werde Dein Name. Wenn Du nicht weißt, was Du beten sollst oder wenn Dir vor lauter Not die Worte ausgehen, dann erschließt Dir Jesus in den ersten drei Bitten den ganzen Reichtum seiner Welt: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel und auf Erde. Mein Rat: Bete das Vater unser langsam. Bleib bei jeder Bitte stehen und denke vor Gott darüber nach, was dies für Dich bedeuten kann und was Du Gott bitten möchtest. Denn besonders die Bitte: Dein Wille geschehe ist schwer zu akzeptieren, aber sie im Vertrauen auf Gottes Güte zu beten ist der Schlüssel, damit Du Deine momentane Situation annehmen kannst, Dich selbst Gott überlässt und zugleich Dein Bestes gibst.

 

Heute Morgen erzählt mir eine junge Mutter von den „Durchhängern“ in ihrer Familie, die jeder in dieser Coronazeit hat. Gott sei Dank, sagt sie, nicht bei Allen zugleich, sondern jeder zu einem anderen Zeitpunkt. Aber eines Morgens wacht sie auf und fühlt sich völlig kraftlos. Aber gerade an diesem Tag erlebt sie mit einer anderen Familie draußen eine schöne Begegnung, die sie alle fröhlich stimmt. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“  Ja, die Antwort Gottes ist seine Güte. Sie ist der Lichtblick Deines Tages. Du bist nicht vergessen oder verworfen, sondern geliebt und von Gottes Güte auf Händen getragen.

 

Auch an mir geht die Coronazeit nicht spurlos vorüber. Bisher habe ich sie mit meiner rheinischen Frohnatur und meinem Motto aus Psalm 100,2: „Dient dem Herrn mit Freude“ gut überstanden. Ich habe wahrlich keinen Grund zur Klage. Aber manchmal ertappe ich mich, dass ich niedergeschlagen bin. Das kenne ich nicht an mir. Mich treiben Fragen um: Wie wird es mit Gemeinde weitergehen? Kommen nach Corona all die wieder, die jetzt fehlen? Wird das Gemeindeleben, Gottesdienste, Gruppen, Kreise, neu aufblühen? Oder haben sich die Menschen daran gewöhnt, geistliche Angebote bequem vom Sofa aus zu konsumieren und weiter zu zappen, wenn das Angebot nicht interessant ist? Wenn ich spüre, wie die Gedanken Karussell in mir spielen ohne Sinn und Ziel, dann gehe ich, wenn möglich, in meinen Garten. Dort staune ich wieder über Gottes Schöpfermacht. Selbst an den kleinsten Blumen und den blühenden Bäumen erweist Er seine Herrlichkeit. Das Licht- und Farbenspiel der Wolken, das ich bis dahin nicht bemerkte, überzeugt mich von Gottes großer Güte; und ich sage ihm: Danke! 

Kürzlich hatte ich ein richtiges Tief. Da nahm ich das Buch in die Hand, das ich z.Zt. wieder lese: „Ratschläge für Prediger“ von Charles H. Spurgeon. Das Kapitel, an dem ich gerade dran war, lautet: „Des Predigers schwache Stunden.“ Da heißt es: „Wir alle haben manchmal Zeiten der Niedergeschlagenheit, auch wenn wir gewöhnlich heiter sind. Die Starken sind nicht immer kräftig, die Weisen nicht immer schlagfertig, die Heiteren nicht immer glücklich.“Immerhin sagt dies der berühmteste englische Prediger des 19. Jahrhunderts. Dreißig Jahre lang predigte er jeden Sonntag vor über fünf- bis 20.000 Menschen. Warum auch er Traurigkeit und innere Leere kannte, erklärt er so:  1) Weil wir Menschen sind. Auch als Erlöste müssen wir Schwachheit erdulden. Aber gerade darin erweist sich Gottes Kraft als mächtig: Gnade genügt. 2) Wer als Verkündiger des Evangeliums seinen Auftrag ernst nimmt, den drückt die Frage: Wer hat sich wirklich bekehrt und ist gerettet; und wen hast Du nicht mit dem Evangelium erreicht? Mich beschäftigt diese Frage sehr.

Spurgeon erlebte einmal eine Katastrophe wie kürzlich in Israel die Massenpanik bei einem religiösen Fest. Während seiner Predigt vor ca. 9.000 Menschen schrien einige Böswillige „Feuer“. In der ausbrechenden Panik kamen 7 Menschen ums Leben, 28 wurden verletzt. Dieses Unglück plagte Spurgeon ein Leben lang. Er schreibt: „Tag und Nacht sah ich das Gedränge, den Schrecken, die Sterbenden vor mir, so dass mir das Leben zur Last wurde. Aus diesem entsetzlichen Traum erweckte mich das Wort: „Ihn hat der Vater erhöht.“ (Phil 2,9)  Die Tatsache, dass Jesus doch groß bleibt, wenn seine Diener noch so tief am Boden liegen, führte mich endlich zu ruhiger Überlegung und zum Frieden zurück.“  – Für mich war es kein Zufall, dass ich gerade in diesem Moment diese Zeilen von Spurgeon las. Mich berühren und trösten seine Worte. Es ist, als ob der graue Himmel aufgerissen wird und Licht auf meine Seele fällt. Gott antwortet, aber anders als wir denken. Manchmal ungeahnt schnell, oft nach langer Zeit, die unsere Langmut herausfordert. Aber Eins ist gewiss: Auf Gottes Güte kannst Du Dich verlassen. Von Herzen wünsche ich Euch, dass Ihr das Beten entdeckt als Quelle der Kraft und unendlichen Freude, die Jesus Euch schenkt! Euch Allen einen gesegnete Zeit bis Christi Himmelfahrt. Euer Pfr. Joachim Grubert 

Vater unser /Ausgang und Eingang, Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände. Amen! 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Evangelische Kirchengemeinden Volpertshausen-Weidenhausen und Vollnkirchen